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Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien

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Pastor Matthias Altevogt, Elisabeth In der Wiesche, Waltraud Fiedler, Ingrid Böckstiegel und Kantor Volker Jänig freuen sich auf ungewohnte Klänge



Neue Instrumente für den alten Klang
Lemgoer Kirchengemeinde lässt Flöten bauen, die genau zur Schwalbennestorgel passen.

Die Lemgoer Kirchengemeinde St. Marien will alte Musik möglichst so aufführen, wie sie einst geklungen hat und in der Tonhöhe passend zur Schwalbennestorgel. Dafür
werden eigens Instrumente gebaut.
Mit der Renaissanceorgel verfügt die St.-Marien-Gemeinde über ein einmaliges Instrument, auf dem Musik so klingt, wie sie vor 400 Jahren zu hören war. Jedenfalls beinahe. Denn damals sei es üblich gewesen, dass Stadtmusiker oder Hofmusiker gemeinsam mit der Orgel spielten. „Das ist heute nicht mehr so ohne weiteres umsetzbar“, sagt Kantor Volker Jänig. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wesentlicher liegt in der Orgel selbst. „Sie liegt etwa einen Dreiviertel-Ton höher als heutige Blasinstrumente“, erläutert Volker Jänig. Orgeln seien damals immer etwas höher ausgelegt gewesen so klangen sie prächtiger und man konnte bei den tiefen Pfeifen Material sparen, führt er aus. Ferner seien vor 400 Jahren bekannte Instrumente wie der Zink heute fast „ausgestorben“.

Und hier hakt das Projekt der Kirchengemeinde ein. Nach und nach will St. Marien Instrumente anschaffen, die alten Vorbildern nachempfunden sind und genau zur Orgel passen. „In der Regel lagen schon damals genau deshalb solche Instrumente an den Orgeln bereit“, erklärt der Kantor. Am Anfang stehen zwei Sopran und zwei Altflöten, die eine Freiburger Flötenbauerin herstellt. Die vier Unikate, für die sogar die Werkzeuge eigens angefertigt werden, kosten insgesamt 5000 Euro. „Das werden die Lemgoer Flöten“, sagt Pfarrer Matthias Altevogt. Eines dieser Instrumente wird am kommenden Sonntag nach dem musikalischen Gottesdienst bereits zu sehen sein.

Denn dafür hat der Frauenkreis der Gemeinde beim Gemeindefest Kuchen verkauft . Der Erlös und Spenden von zwei Damen wurden in die Flöte investiert. „Da sehen wir, wofür wir Kuchen gebacken haben“, sagt Ingrid Böckstiegel vom Frauenkreis. Jänig und Altevogt sind dankbar für diesen Impuls, denn die Instrumente sollen vor allem in musikalischen Gottesdiensten die sehr reichhaltige kirchenmusikalische Klangwelt des 16. und 17. Jahrhunderts verbreiten, und zwar direkt aus dem Schwalbennest
heraus. „Wir können diese Musik hier so zum Klingen bringen, wie es nur an wenigen Stellen auf der Welt möglich ist“, sagt der Pfarrer. Und Jänig ergänzt: „Manches Stück wird hier so zu hören sein, wie es sich der Komponist einst wirklich gedacht hat. Und plötzlich klingt die Musik wieder, weil die Orchestrierung stimmt.“  Pastor Matthias Altevogt, Elisabeth in der Wiesche, Waltraud Fiedler, Ingrid Böckstiegel als Repräsentantinnen des Frauenkreises und Kantor Volker Jänig freuen sich auf die nicht alltägliche Musik.

Frühbarocke Musik im Original
„Alte Musik“ bezeichnet laut Volker Jänig im Wesentlichen die Musik von der Renaissance bis in den Frühbarock vor Johann Sebastian Bach (1685-1750). Kirchenmusik sei damals oft von Orgel, Trompeten, Posaunen, Zinken und Streichern gespielt worden. Die Idee des Projektes ist es, dieses Instrumentarium nach und nach wieder zu vervollständigen. So sei durchaus geplant, nach den Flöten auch zwei Zinken (eine Mischung aus Trompete und Flöte) anzuschaffen und   Blechblasinstrumente dem alten Klang und der Orgel-Tonhöhe anzupassen. Volker Jänig berät sich dazu mit Instrumentalisten. Außerdem will die Kirchengemeinde andere Partner wie den Landesverband und die Hochschule für Musik gewinnen, um so gemeinsam öffentliche Mittel generieren zu können. Die vier „Lemgoer Flöten“ und die Schwalbennestorgel sollen erstmals bei den Lemgoer Orgeltagen am Samstag, 15. Oktober, gemeinsam mit Orgel, Orchester und Chören die Marienkirche zum Klingen bringen. 

Von Thorsten Engelhardt, Lippische Landeszeitung am 19.08.2011
Foto: Engelhardt