Gemeindebrief

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Projekt

Gräber in der Ferne

Spendenkonto Nr. 16 77
bei der Sparkasse Lemgo
BLZ 482 501 10
Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien

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Jungbrunnen für ein altes Instrument

Das Projekt der historischen Rekonstruktion


Es begann im Jahre 1586
Ein Gutachten aus dem Jahre 1629 stellt die Renaissance-Orgel von St. Marien vor mit 20 Registern, zwei Manualen und Pedal mit dem heutigen Schwalbennest-Gehäuse, gebaut 1612 von Meister Fritz Scherer. Der stammte aus einer Hamburger Familie, die fast ein Jahrhundert lang den Orgelbau in Nord- und Westdeutschland prägte. Die Scherer-Orgel war die Erweiterung einer kleineren Orgel, die Georg Slegel aus Holland von 1586 bis 1595 noch ohne Pedal und Brüstung, aber mit zwei Manualen erbaut hatte. Der von der Scherer-Familie entwickelte Hamburger Prospekt, die Pfeifen in drei Türmen angeordnet, findet sich idealtypisch an der Lemgoer Schwalbennest-Orgel. Ein Hinweis, dass Lemgo zum norddeutschen Kulturraum der Hanse gehörte.

Umbauten und Reparaturen in allen Jahrhunderten haben Spuren im Gehäuse hinterlassen und sind teils urkundlich belegt. Der heutige Zustand ist das Ergebnis der großen Restaurierung von 1950 durch Paul Ott aus Göttingen. Dabei wurden zwei historische Zustände aus dem 16. (Slegel) und 17. Jahrhundert vereint, Pedal und ein drittes Manual eingebaut, sowie die Tastenumfänge auf den modernen Umfang erweitert. Ziel war es, das ganze Repertoire vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert spielen zu können, denn die neue Ott-Orgel auf der Westempore gab es noch nicht. Mit dieser Restaurierung wurde die Schwalbennestorgel ein Instrument von europaweiter Bedeutung. Führende Organisten von London bis Italien wollten sie kennen lernen und spielen. Daraus entstand das Festival „Lemgoer internationale Orgeltage“, das heute im jährlichen Rhythmus stattfindet.

Künstler lehnen ab
Im Jahr 2004 lehnte es zum ersten Mal ein renommierter Gast-Organist ab, weiter auf der Schwalbennest-Orgel zu konzertieren. Fast ein Drittel der Register ist nicht mehr oder nur noch eingeschränkt spielbar. Das schlechte Material aus der Nachkriegszeit fordert hier seinen Tribut. Großes Geschick und gute Kenntnis des Instrumentes sind gefordert, um es zu spielen.
Drei Manuale im Schwalbennest-Gehäuse, das nur für zwei vorgesehen war, die Vereinigung zweier historischer Zustände das bedeutet: In der Mechanik herrscht drangvolle Enge. Jede Reparatur ist ein Drahtseilakt, manche sogar unmöglich.
Der Kirchenvorstand stand vor der Alternative: Entweder wird die Orgel grundlegend restauriert, oder sie wird demnächst auf Dauer stillgelegt. Die Entscheidung fiel für die Restaurierung. Die Schwalbennest-Orgel ist das Herz der heutigen Kirchenmusik an St. Marien und ein kulturelles Erbe, das verpflichtet. Die Orgel muss erhalten werden - für  uns und kommende Generationen.

Die historische Rekonstruktion
Wie aber kann eine grundlegende Erneuerung aussehen? St. Marien ist heute in einer glücklicheren Lage als 1950. Auf der neuen Ott-Orgel - erbaut 1974 - kann das Repertoire aller Epochen gespielt werden. Das erlaubt es, sich bei der Schwalbennest-Orgel nun auf den historischen Zustand einzulassen, den Meister Fritz Scherer für das Schwalbennest-Gehäuse vorgesehen hatte. In den letzten Jahren sind alte Handwerkstechniken wieder erschlossen worden. Man weiß heute, wie in der Renaissance Pfeifen gegossen und Orgeln gebaut wurden. Das erlaubt die Rekonstruktion nach dem historischen Stand von 1612. Dann  werden Stücke aus der Entstehungszeit der Orgel vor Buxtehude und Bach klangvoller und originalgetreuer dargestellt werden können als zur Zeit.

Was bisher geschah
Fünf Orgelbaufirmen aus Deutschland, Holland und der Schweiz sind vergleichbare Rekonstruktionen an anderen Orten bereits gelungen. Sie zählen zu den besten Orgelbauern weltweit. Eine Gruppe aus Kirchenältesten und Kantor Rainer Johannes Homburg hat sich auf Tagesfahrten bis nach Holland und Brandenburg von der Qualität der dortigen Instrumente überzeugt. Die Gruppe kehrte jedes Mal fasziniert zurück. Bei der Auswahl einer Firma wirkten der Orgelsachverständige der Lippischen Landeskirche Kantor Burkhard Geweke und Professor Harald Vogel aus Bremen als führender Experte für Renaissance-Orgeln sowie die Denkmalpflege aus Münster mit. Die Wahl fiel schließlich auf den Orgelbauer Rowan West aus Altenahr.
Anfang des Jahres 2009 wird das Innere der Orgel ausgebaut. Es folgt eine Phase der Dokumentation. Erst wenn alle Details aus dem Inneren bekannt sind, kann die Rekonstruktion vollständig geplant werden. Dann geht es an die Arbeit. Die Wieder-Einweihung ist bei den Orgeltagen 2010 vorgesehen.