Überschrift: Alles im Fluss - die Konfirmationspredigt

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Liebe Gemeinde, wenn man auf der Autobahn A 5 nach Süden fährt, dann kommt irgendwo zwischen Frankfurt und Karlsruhe die Abfahrt Bruchsal.

Wenn man da vom Gas geht und abbiegt auf die Landstraße nach Osten, kommt man nach Maulbronn. Dort gibt es ein altes Kloster aus dem Mittelalter, riesig, komplett erhalten, wunderschön schlicht. Man stellt das Auto ab, bezahlt den Eintritt und geht durch eine Halle in den Kreuzgang. Da ist es ganz still. Auch innen.

Man geht weiter und hört ein leises Plätschern. Dann steht man vor einem Brunnen, wie auf dem Programmheft von heute gezeichnet. Über 2 Meter hoch, aus hellem Sandstein. Unten ein riesiges rundes Becken. Darüber eine mittlere Schale, und darüber – man muss schon hinaufschauen – eine kleine obere. Das Wasser steigt innen im Brunnen hoch, schießt nach oben in die Luft und ergießt sich in die oberste kleine Schale. Sie füllt sich langsam mit Wasser.

Es steigt bis zum Rand und fließt dann über in die zweite größere Schale darunter. Langsam füllt auch sie auch sie sich bis zum Rand und fließt über in das dritte größte Rund. Jede nimmt und gibt zugleich. Und strömt und ruht.

II

Das fließende Wasser ist ein Bild für die Zeit. Sie steht nie still. Alles fließt, alles verändert sich von Augenblick zu Augenblick. Unmerklich meist. Spannend ist der Moment, wenn eine Schale voll wird und überfließt. Auf einmal schaust du auf dein Kind und siehst es nicht mehr. Wo ist mein Junge geblieben, wo mein Mädchen? Sie steht vor dir und er, aber er ist kein Kind mehr. Und das liegt nicht nur am Anzug oder am Kleid. Etwas ist voll geworden, reif und in ein Neues übergegangen. Unmerklich, aber offensichtlich. Nicht genau heute, vielleicht schon vor sechs Monaten oder in vier Wochen.

Aber heute feiern wir den Moment, in dem es uns klar wird.

III

14 Jahre Kindheit sind voll geworden. Voll mit Erfahrungen. Laufen lernen, Sprechen. Lesen, Schreiben, Rechnen. Rasen mähen, Reifen flicken, Fußball und Klavier. Englisch und das Einmaleins.

14 Jahre sind voll geworden. Voll mit Liebe der Eltern, Geschwister, Paten, Großeltern. Jahre voll mit Unterstützen, Begleiten, vormachen. Erfahrungen mitgeben, Werte, Haltung. Auch schon genug Katastrophen waren in den Jahren. Sitzen bleiben, Beinbruch, Trennungen, Tode. Zugeknallte Türen, Tränen. Life is live. Nicht nur rosarot.

Geduld war darin, Durchhalten, neue Chancen, Versöhnung. Ihr, liebe Konfirmanden habt schon viel mitbekommen vom Leben. Ihr liebe Eltern und Familien, habt ihnen euer Bestes mitgegeben und das wird sie weit tragen.

Das steckt in ihnen, auch wenn man´s manchmal gar nicht meint.

Schicke dein Brot übers Wasser, du wirst es finden nach Jahren. Und jetzt? Haben wir das Nachsehen. Zusehen, hinterhersehen, wie sie sich auf den Weg machen. Mitgehen ein Stück, aber immer öfter nur winken, zurückbleiben. Basistation für Rückkehr und Rasten. Coffee to go und Home on demand. Leeres-Nest-Syndrom oder große Freiheit.

IV

Hier bei uns in der Kirche steht auch ein Brunnen. Kleiner, nur eine Schale. Aber auch aus hellem Sandstein, rund. Das Taufbecken dort hinter der Säule. In diesen Brunnen sind wir alle hineingetaucht worden bei unserer Taufe, hier oder in einer anderen Kirche.

Die Schale unsres Taufbeckens wird getragen von 4 Frauengestalten. Eine hat eine Bibel in der Hand, sie verkörpert den Glauben. Eine hat einen Anker. Das ist die Hoffnung, der Anker im Strom der Zeit, dass wir nicht weggespült werden. Die dritte Frau hat ein Baby im Arm und zwei um die Füße, das ist die Liebe, die uns zusammenhält. Das Taufbecken ist randvoll mit Glaube, Hoffnung und Liebe. Die kommen von Gott selber. Er ist die Quelle von Liebe und Glauben und Hoffnung. Diese Quelle Gott fließt immer. Darin haben wir gebadet bei unserer Taufe. Wir sind da hineingetaucht worden.

V

Gott ist ein Brunnenbauer. Wir selbst sind seine Gefäße, Brunnenschalen, die er füllt. Mit Glauben, Hoffnung, Liebe diese drei. Alles was wir brauchen zum Leben und Sterben:

Sie kommen von Gott, wie frisches lebendiges Wasser – umsonst. Man muss nur vom Gas gehen und abbiegen zum Brunnen. Ihr wisst ja, wo er steht. In Maulbronn, in Santiago de Compostella. Bei Mama oder Oma, die mit dir betet?

In der Marienkirche und jeder Kirche an der du vorbeikommst. Und der Brunnen steht auch in deinem stillen Kämmerlein und in deinem Herzen. Still werden, beten, in der Bibel lesen. Dann fließt der Brunnen und füllt uns. Langsam. Bis zum Rand. Dann sind wir reif für einen neuen Abschnitt Tag, Leben, Autobahn. Dann geben wir weiter aus unserem Überfluss an Liebe und Hoffnung.

An unsere Kinder, an Freunde, wer immer es braucht. Jede nimmt und gibt zugleich. Und strömt und ruht.

Jesus sagt: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Mein Wasser wird in ihm eine Quelle werden, die in das ewige Leben quillt.

VI

Liebe Konfirmanden, mit der Taufe hat es angefangen. Eure Eltern haben euch zum Brunnen gebracht, zur Quelle. Jetzt sind 14 Jahre Kindheit voll geworden, ihr seid am Übergang zur Jugend, zum Erwachsenwerden. 1 ½ Jahre Konfirmandenunterricht sind voll geworden. 1 ½ Jahre Erfahrungen mit Kirche und Glauben und Gott selbst. Jetzt seid ihr reif, selbst zu sagen: Ja, dieser Glaube ist wie frisches Wasser. Bei dieser Quelle will ich bleiben und immer wieder aus ihr trinken und aus dieser Kraft leben. Ich bin bereit für den Übergang zur nächsten Stufe, offen für neue Erfahrungen mit dem Leben, mit Gott und mit dem Glauben. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.