Schwalbennestorgel

Orgeln

Die Kirche St. Marien in Lemgo verfügte bereits im 15. Jahrhundert über zwei Orgeln. Die große Hauptorgel an der Westempore wurde zunächst im Jahr 1887 von Ernst Klassmeier erbaut. Diese erste große Hauptorgel wurde allerdings bei Bauarbeiten im Jahr 1964 entfernt und zehn Jahre später durch eine neue Orgel, die von Paul Ott errichtet wurde, ersetzt.

Die neue Hauptorgel zählt mit ihren 45 Registern und vier Manualen zu den größten Orgeln Ostwestfalens.

Die Schwalbennestorgel

Die Schwalbennest-Orgel in St. Marien zu Lemgo ist die einzige Orgelanlage dieser Art aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg in Deutschland, die äußerlich gut erhalten ist und sich noch am ursprünglichen Aufstellungsort befindet. Auf die erste Bauphase geht das Hauptgehäuse zurück, das von der Orgelbauerfamilie Slegel aus den Niederlanden in den Jahren 1586 bis 1595 erbaut wurde.


Die kunstvolle Empore mit den beiden seitlichen Gehäusen für das Pedalwerk und die Prospektpfeifen im Hauptgehäuse wurden von der Orgelbauerfamilie Scherer aus Hamburg 1612-13 hergestellt. Besonders wertvoll sind die originalen Prospektpfeifen, die zum Teil noch eine unveränderte Klanggebung aufweisen. Die originalen Springladen aus dem 17. Jahrhundert im Hauptwerk und Pedal sind die ältesten bekannten Beispiele für die aufwändige Konstruktion mit herausnehmbaren Kanzellendeckstücken, die im westfälischen Orgelbau bis weit in das 18. Jahrhundert gebaut wurden und der Orgellandschaft Westfalen eine eigenständige Prägung gegeben haben.


Die Schwalbennest-Orgel in St. Marien zu Lemgo ist gegenwärtig das einzige Orgelinstrument im niederländisch-norddeutschen Stil der Spätrenaissance, in dem die klanglichen Ressourcen für das Orgelrepertoire des überragenden niederländischen Meisters aus der Zeit um 1600, Jan Pieterszoon Sweelinck, und seiner norddeutschen Schüler ohne stilistische Kompromisse zur Verfügung stehen. Dem Orgelbauer Rowan West und dem Organologen Koos van de Linde ist mit dieser Rekonstruktion eine wegweisende Arbeit gelungen, durch die eine verlorene Klangwelt wieder zum Bestandteil der globalen Orgelkultur wird und gleichzeitig als Modell für Nachbauten dienen kann.

[Text: Harald Vogel]

 

 

Historische Instrumente in St. Marien

In der Kirche St. Marien in der Alten Hansestadt Lemgo steht mit der im Jahre 2010 restaurierten Schwalbennestorgel von 1613 ein Instrument von europäischer Bedeutung als Mittelpunkt für Konzerte, musikalische Gottesdienste und Veranstaltungen im Rahmen des Musikfestivals „mixTour“ zur Verfügung.

In Konzerten und Gottesdiensten mit dieser Renaissance-Orgel wird den Zuhörern die Klangwelt des 16. und 17. Jahrhunderts nahe gebracht.

Der hohe Stimmton bei a=472Hz (ein ¾ Ton höher als der normale Kammerton) und die mitteltönige Stimmung machen es unmöglich mit Instrumenten unserer Zeit zusammen zu musizieren.

Die Kirchengemeinde St. Marien hat daher auf Anregung von Kantor Volker Jänig und mit Hilfe von Spendengeldern Instrumente in historischer Bauart und Stimmung, je zwei Sopran-, Alt-, Tenorflöten, zwei Zinken und drei Posaunen angeschafft, auf denen die Instrumentalisten direkt mit der Schwalbennestorgel musizieren können. So wird das Musizieren der kirchlichen Kammermusik, geistlicher Konzerte u.a. möglich und die alte Tradition wieder lebendig.

Orgelführungen

Gerne bieten wir Orgelführungen für interessierte Gruppen an. Bei Interesse wenden Sie sich bitte über das Kantoreibüro an Kantor Volker Jänig. Tel.: 05261/5543