13/09/2026 0 Kommentare
Gott und Mensch - Hand in Hand. Predigt vom 13. September zu Markus 4,26-29
Gott und Mensch - Hand in Hand. Predigt vom 13. September zu Markus 4,26-29
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Gott und Mensch - Hand in Hand. Predigt vom 13. September zu Markus 4,26-29
Ich bin gerne draußen in der Natur. Gehe gern spazieren durch die Felder, an der Bega entlang, in den Wald an den Försterteichen, über den Biesterberg am See und an den Teichen. Freu mich, wenn ich einen Fischreiher sehe oder den Rotmilan oben am Himmel. Eine Meise, die in den Ästen turnt, einen Hasen, der mit großen Sprüngen übers Feld setzt, einen Frosch, der mir über den Weg hüpft.
Das ist die Natur: Tiere, Pflanzen, Landschaft. Und die Natur ist die Schöpfung, die hat Gott gemacht. Ich darf mich darin bewegen zur Erholung und daran freuen.
Das andere ist die Kultur, das menschen-gemachte: Häuser, Schulen, Fabriken, Büros, Städte und Marktplätze, Kino, Börse, Fernsehstudio, Internet. Da ist kein Platz für wildes, für Natur - außer ein paar Blumentöpfen. Ist da Platz für Gott? Oder alles vom Menschen perfekt durchgeplant ohne Lücke für etwas Himmel und jenseits?
Natur und Kultur streng getrennt, so hatte ich das lange im Kopf. Aber das stimmt gar nicht.
Unberührte Natur, Wildnis, das gibt gar nicht, jedenfalls nicht in Deutschland.
An ein paar Stellen im Nationalparks ja. Vor 1000 Jahren, ja. Im Mittelalter war
der größte Teil Europas einfach Wald Urwald. Ohne Weg und Steg. Da konnte keiner spazieren gehen. Da kam man nicht durch. Und die Bären und Wölfe waren dagegen. Die wenigen Dörfer und Städte waren kleine Inseln.
Aber seitdem hat sich viel getan. Der Mensch hat viel getan: Wälder gerodet, Sümpfe entwässert. Felder angelegt und Hecken gepflanzt, Teiche gegraben zur Fischzucht, Obstbäume gepflanzt und die Wiesen gemäht. Steinbrüche und Kiesgruben gegraben.
Oben auf dem Biesterberg ist Wiese, weil Jahrhunderte lang Schafe und Ziegen da oben geweidet haben. Und später sind Panzer drüber gefahren.
Wenn Sie vom Langenbrücker Tor, vom Bega Beach an der Bega entlang wandern sehen sie auf wuchernde Wildnis, herrlich. Vor ein paar Jahren fuhr da der Bagger durch und hat das Flussbett neu verlegt. Einen zweiten Kanal gegraben für Hochwasser. Vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft und trotzdem ist es Natur, Schöpfung. Es wächst von selbst, Reiher und Eisvogel kommen dort wohnen. Tiere und Pflanzen siedeln sich an in den verschiedenen Lebensräumen, die der Mensch angelegt hat.
Die Trennung zwischen Natur und Kultur gibt es nur im Kopf. Tatsächlich ist alles Schöpfung. In der Natur ist Platz für den Menschen und in der Kultur ist Platz für Gott. Sie greifen ineinander. Wir Menschen dürfen an Gottes Schöpfung mitarbeiten. Sie geht immer weiter. Gott und Mensch arbeiten Hand in Hand. Der Schöpfer und sein Ebenbild, der schöpferische gestaltende Mensch. Und es gibt keine Räume, die abgeschottet sind von Gott. Er wirkt in allen Bereichen, lässt sich nicht aussperren. Manchmal still und heimlich, ausgeblendet vom Menschen - manchmal unübersehbar zum Staunen schön. Die Sonne geht auf. Ein Eisvogel schwirrt durchs Blickfeld. Gott, wie schön! Ein Kind wird geboren. Ein Bild gemalt. Großer Gott, wir loben dich!
Als Student in Heidelberg habe ich in einer WG gewohnt. Mit fünf Leuten haben wir eine Wohnung gemietet. Jeder hatte sein eigenes Zimmer und es gab eine große Küche mit Tisch und Eckbank und sogar eine Spülmaschine. Die Zimmer im Studentenwohnheim waren nicht so schön. Zusammenarbeiten, Kultur macht Spaß.
Aber auch Arbeit. Man muss ja auch putzen und aufräumen. Manchmal gab es Ärger. Da kommt man in die Küche und da steht noch der Topf mit den Spaghetti-Resten vom lieben Mitbewohner. Und die schmutzigen Kaffeebecher in der Spüle. Na toll.
War nicht böse gemeint, da hatte einer keine Zeit mehr und was Wichtiges vor. Oder er wollte einfach später aufräumen und erst mal chillen mit der Freundin. Aber nun hab ich erst mal sauber gemacht, hinter ihm hergeräumt, damit ich Platz hatte zum Kochen.
Manchmal ging es aber auch Hand in Hand. Wenn wir WG-Party hatten, durfte jeder 5 Leute einladen. Dann hat die einen dekoriert, die anderen machten Pizza und einer setzte eine Bowle an. Kultur macht Spaß. Eine Andacht gab es auch bei der Party. Schließlich waren wir eine Theologen-WG und war Platz für Gott bei uns. Kultur macht Spaß. Alleine hätten wir es nicht so schön gehabt.
Jesus erzählt ein Beispiel aus der Landwirtschaft. Damit man sieht, wie das ist, wenn Gott und Mensch Hand in Hand arbeiten.
Ein Mensch, ein Bauer, wirft Samen auf den Acker. Und dann geht er schlafen. Es gibt nichts zu tun. Er muss warten, viel Tage und viele Nächte schlafen. Das Korn muss keimen und aus der Erde herauswachsen, groß werden, Körner tragen. Da ist Gott am Werk.
Der Bauer weiß, dass er nur warten kann. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Er vertraut: Es wird wachsen, Gott ist am Werk. Er kann ruhig schlafen und was anderes tun. Oder ausruhen.
Dann kommt der Tag, wo der Bauer aufs Feld geht und erntet. Man könnte weiter erzählen. Er bringt das Korn zur Mühle, der Müller bringt das Mehl zum Bäcker, der backt Brot daraus. Ein Papa kauft es, deckt zu Hause den Tisch. Schneidet das Brot auf und die ganze Familie isst sich satt. Spricht ein Tischgebet. Danke lieber Gott, dass du das Brot wachsen lässt und auf unsern Tisch bringst - mit Hilfe der Menschen.
Ein Landwirt muss bestimmt viel arbeiten. Sogar sonntags auf Feld, wenn dann das Korn reif ist und geerntet werden muss, bevor der Regen kommt. Auch nachts bei Scheinwerferlicht fahren die Mähdrescher.
Aber er kann nicht alles machen. Er kann nur säen. Wachsen tut es von allein. Gott lässt es wachsen.
Liebe Gemeinde, manche wollen alles selber machen. Möglichst perfekt und von Anfang bis zum Ende.
Aber es ist wie beim Bauern. Es gibt immer jemanden, der vor uns war, in der Familie, in der Firma, in der Gemeinde. Andere haben das Feld angelegt, auf dem wir ackern. Andere haben den Baum gepflanzt, von dem wir ernten.
Einmal werden wir unsere Arbeit aus der Hand geben, ohne, dass sie fertig ist. Andere werden weiter machen. .
Alles, was wir tun ist unvollständig, nur Säen. Wir haben nicht in der Hand, was daraus wird. Das kann Sorge machen oder entspannen.
Es ist so. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Wir sind nicht allein auf weiter Flur. Wir haben Vorgänger und Nachfolger, Mitarbeiter. Und Gott ist am Werk. Er lässt wachsen, reicht uns die Hand. Er lässt sogar aus unseren Fehlern und Unzulänglichkeiten etwas wachsen lassen.
Darauf können wir vertrauen, auch die Hand in den Schoß legen, die Hände falten und ruhig schlafen. Gott ist am Werk.
Der Monatsspruch für September sagt es so:
Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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