Kopf hoch, wenn die Welt untergeht! Predigt zum 2. Advent

Kopf hoch, wenn die Welt untergeht! Predigt zum 2. Advent

Kopf hoch, wenn die Welt untergeht! Predigt zum 2. Advent

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Kopf hoch, wenn die Welt untergeht! Predigt zum 2. Advent

Liebe Gemeinde, die Menschen werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres. Vergehen vor Furcht, wenn die Kräfte der Himmel ins Wanken kommen.
Da fällt mir eine Menge zu ein. Die Eisberge und Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Überschwemmungen und Wirbelstürme gibt es immer öfter. Auch über Lippe: Starkregen. Die Meeresströmungen werden schwächer, die seit Jahrtausenden für unser regelmäßiges  Klima sorgen. Nach dem Kipppunkt gibt es kein Zurück und keine Bremse mehr. Die großen Brände und die Hitze im Sommer im Süden. Teile der Erde werden unbewohnbar. Das sieht nach Weltuntergang aus. Apokalypse gab es früher nur im Kino, heute vor der Haustür.

Schimpfen könnte ich auf die Staatenlenker, die sich nicht um Klimaschutz kümmern, um die nächste Wahl zu gewinnen. Schimpfen auf alle, die Auto fahren wie bisher, in den Urlaub fliegen, als wenn nichts wäre. Meinen, die anderen sollen mal anfangen und es darf mich nichts kosten. Schimpfen könnt ich, anklagen und müsste mir selbst an die Brust schlagen, Steine durch mein Glashauses schmeißen. Und dann?

Dann würden Sie, liebe Gemeinde, vielleicht ärgerlich. Denn im Advent soll es gemütlich zugehen. Bitte kein Alarm und kein Streit. Man braucht auch mal Pause vom Weltuntergang. Sie würden vielleicht aus der Kirche schleichen mitgesenktem Kopf, verzagt, mit schlechtem Gewissen. Und den Kopf umso tiefer in den Sand stecken. Was bleibt einem sonst übrig?

 

Das ist das Gegenteil von dem, was Lukas der Evangelist wollte, als er das aufgeschrieben hat. Ja, er malt den Weltuntergang an die Wand. Aber dann schreibt er weiter: Wenn aber all dies anfängt zu geschehen, dann erhebt eure Häupter! Dann schaut auf. Guckt zum Himmel nach Hilfe. Weil eure Rettung kommt. Jesus kommt zurück, auf den Wolken vom Himmel herab, auf seine arme bedrohte Erde. Er lässt sie nicht im Stich, er kommt um sie zu retten.

Als Lukas diese Worte Jesu, diese Prophezeiung aufgeschrieben hat, war sie schon eingetreten. Jerusalem war untergegangen. Zerstört von römischen Soldaten im letzten großen Aufstand der Juden 70 nach Christus. Ein schreckliches Gemetzel. Das Blut floss in Strömen durch die Gassen der Altstadt. Gestern standen wir am Abgrund. Heute sind wir einen Schritt weiter.

Weltuntergänge hat es immer gegeben, auch ökologische. In biblischen Zeiten gab es rund um das Mittelmeer Löwen. Alle längst ausgerottet.

Rund um das Mittelmeer gab es Gegenden mit herrlichen Wäldern. Alle ohne Rücksicht abgeholzt um Schiffe daraus zu bauen. Handelsschiffe und Kriegsflotten. Die Handelsschiffe sind gestrandet und im Sturm untergegangen. Die Kriegsschiffe haben sich gegenseitig versenkt. Am Land ohne Bäume wurde die Erde weggespült vom Regen, karge Berge sind geblieben, wo nichts mehr wächst bis auf den heutigen Tag.  

Menschen erleben ihren persönlichen Weltuntergang. Die Firma geht insolvent. Das Paar trennt sich. Eine schwere Krankheit, einer stirbt. Die bekannte Welt geht unter.

Dann steht man da, mit gesenktem Kopf, ohnmächtig. Und vergeht vor Furcht vor dem, was auf einen zukommt.

Genau in solche Situationen spricht Jesu sein Wort: Wenn das anfängt zu geschehen. Wenn der Weltuntergang bevorsteht, oder schon im Gang ist, oder hinter dir liegt. Dann erhebe dein Haupt. Schau auf, halte Ausschau! Denn Gott ist schon auf dem Weg zu dir. Kommt in deine arme zerstörte Welt, um sie zu retten. Er wird etwas Neues aufbauen mit dir. Wenn die Welt untergeht ist Gott dabei, eine neue zu erschaffen Manchmal muss die alte vergehen, damit etwas Neues entstehen kann.  

Karl Barth war der größte evangelische Theologe des 20. Jahrhunderts. Am Abend vor seinem Tod hat er noch einmal mit einem Freund telefoniert. Es waren dunkle Zeiten, die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Kalter Krieg, Kuba-Krise, Angst vor dem 3. Weltkrieg, vor einem Atomkrieg.Was sagte Karl Barth: "Nur nicht die Ohren hängen lassen! Es wird regiert!" 

Das heißt: Gott überlässt seine arme bedrohte Welt nicht sich selbst. Er ist am Werk.

Er ist für dich da. Also halte Ausschau nach den Zeichen. Zeichen das Gott in deine Welt rettet und neu erschafft.  

Ein Zeichen ist der Segen. Die Zusage: Einer hält schützend die Hand über dich.

Ein Zeichen ist die Salbung. Das Salböl, mit dem Du dich salben lassen kannst.

Auch mitten im Weltuntergang lässt Gott jeden Tag die Sonne aufgehen und weckt dich. Du schlägst die Augen auf. Hebst den Kopf. Duschen, Haare föhnen. Ein bisschen Deo, eine Lotion, vielleicht sogar ein Duft. Heute gönnst du dir Salböl. Das heißt: Ich bin bereit für Gott im Advent. Bereit, dass Gott zu mir kommt und Jesus den Weg zeigt. Rettet,  was zu retten ist. Und mich aufbaut. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebet eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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