Schwerter zu Pflugscharen - Predigt im MixTour-Gottesdienst in St. Nicolai am 4.10.26

Schwerter zu Pflugscharen - Predigt im MixTour-Gottesdienst in St. Nicolai am 4.10.26

Schwerter zu Pflugscharen - Predigt im MixTour-Gottesdienst in St. Nicolai am 4.10.26

# Neuigkeiten

Schwerter zu Pflugscharen - Predigt im MixTour-Gottesdienst in St. Nicolai am 4.10.26

Predigt zu Jes 2,1-5 von Pastor Matthias Altevogt

Vor 4 Jahren im Sommer waren Konfirmanden der Gemeinden St. Nicolai und St. Marien zusammen auf Kanutour, 5 Tage die Weser herunter von Hannoversch-Münden bis Höxter. Wir wollten mal auf Großfahrt gehn mit Kochgeschirr und Zelt. Ulrike Bell hatte die Gitarre dabei und abends auf dem Zeltplatz haben wir gesungen. Ein Lied wurde zum Ohrwurm, den haben die Jugendlichen auch tagsüber auf dem Wasser beim Paddeln geschmettert:

 

I lay down my sword and shield, down by the riverside, down by the riverside.

I ain´t gonna study war no more. Ain´t gonna study war no more.

Ain´t gonna study war no more.

 

Mein Schwert und mein Schild lege nieder, unten am Fluss. Und ich werde nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Das Lied singt vom uralten Traum des Jesaja: Alle Völker schließen Frieden und machen sich zusammen auf eine Reise. Eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Die Völker versammeln sich am Fuß des Tempelberges um auf Gottes Gebote zu hören: Selig sind die Frieden stiften. Liebet eure Feinde. Du sollst nicht töten. Dann tun die Völker es auch: Sie schmieden ihre Schwerter um zu Pflugscharen.

Und verlernen es, Krieg zu führen.

 

Mein Schwert und mein Schild lege nieder, unten am Fluss.

Und ich werde nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

 

Das war im Sommer 2022 war das. Tiefer Frieden an der Weser. Das Wasser floss ruhig, entspannte Mädchen und Jungen, die zusammen paddeln, abends Zelte aufbauen, Federball spielen, essen, singen, beten. Aber die Ursache, dass wir dort waren war ein Krieg. Der hatte im Februar in der Ukraine begonnen. Eigentlich wollten wir nämlich in eine Jugendherberge in Brandenburg zum Konfi-Camp der Landeskirche. Aber: die Jugendherberge wurde gebraucht - für Menschen, die aus der Ukraine geflohen waren. Der Krieg hatte begonnen, unser Leben durcheinander zu bringen.

 

Seitdem haben wir viel gelernt: Über Leopard-Panzer, Patriot und Taurus, und über Drohnen. Und der Krieg hat viel verändert. Autofabriken werden umgerüstet für die Waffenproduktion. Das Panzerbataillon aus Augustdorf wird bald nach Litauen verlegt. Junge Leute, die waren gerade noch Konfirmanden, machen jetzt die Grundausbildung oder haben die Offizierslaufbahn eingeschlagen. Die Landeszeitung begleitet Rekruten bei der Ausbildung. Neulich haben sie zum ersten Mal scharf geschossen.       

 

Ich lege mein Schwert ab, unten am Fluss und meinen Schild.

Ich will nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

 

Die Vision ist in utopische Ferne gerückt. Anscheinend wird sie sich nie erfüllen. Oder nur für kurze Zeit. Die ältesten unter uns haben den Krieg am eigenen Leib erlebt. Welche Generation wird ihn wieder erleben?

 

Jesaja lebte in einer Zeit wachsender Spannungen und Aufrüstung. Die zwei kleinen Staaten Israel im Norden und Juda im Süden wollte die Herrschaft der mächtigen Assyrer und dann ihrer Nachfolger, der Babylonier abschütteln. Jesaja warnte vor der Katastrophe,

Jesaja hatte ein große Sehnsucht nach Frieden. Er träumte diesen Traum, von den Völkern, die verlernen Krieg zu führen. Er warnte vor der Katastrophe, jahrelang. Bis sie dann kam.

 

Ist das träumen vom Frieden naiv? Den Kopf in den Sand stecken? Die Augen verschließen vor der Welt, die so nicht ist. In jedem Land steht nun mal eine Armee, es sollte schon besser die eigene sein.

 

Jesaja erzählt von einem Menschen, er nennt ihn den "Gottesknecht".

Der wird die Vision vom Frieden verwirklichen. Er wird die Völker Gottes Gebote lehren und dem Recht zum Sieg verhelfen.  Er ist die Hoffnung der Welt. Gottes Geist liegt auf ihm.

 

Aber dieser Gottesknecht ist seltsam unscheinbar. Er macht kein Aufheben von sich. Er spricht nicht auf der Straße, nicht im Fernsehen. Er hat kein Insta-Profil und keinen Podcast. Behutsam geht er um mit der Welt und Menschen: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen. Und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Ohne Gewalt, behutsam wird er sich durchsetzen.

 

Es ist ein Rätsel, von wem Jesaja da spricht. Hat er einen bestimmten Menschen seiner Zeit vor Augen? Spricht er von sich selbst, weil er in Gottes Auftrag zum Frieden ruft?

Oder prophezeit er, dass Gott so einen Knecht in der Zukunft schicken wird?

Vielleicht meint er auch das ganze Volk Israel. Durch Israel werden die Völker den Gott des Friedens kennen lernen und den Traum mitträumen.

 

Die Christen haben in Jesus den Gottesknecht erkannt. Den Friedefürst, sanftmütig und von Herzen demütig. Reitet Esel statt Schlachtross, fährt Fahrrad statt Leopard II. Seine Waffe: der Gewaltverzicht, sein Schwert das Wort: Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen. Liebet eure Feinde.  Steck das Schwert in die Scheide.

Naiv war Jesus nicht. Er wusste was ihn erwartet: Soldaten, die ihn foltern, eine Menge aufgepeitschter Hater, das Todesurteil. Er weiß es und reitet trotzdem, unbeirrt hinein nach Jerusalem. Mitten hinein trägt er seine Vision vom Frieden. Gottes Traum für diese Welt.

 

Wenn man in die Geschichte schaut, all die Jahrhunderte seitdem, sieht man Kriege und Gewalt. Aber auch den Gottesknecht. Immer wieder taucht er auf durch die Zeiten.  Oft unscheinbar und unbekannt. Manchmal etwas prominenter.

Ich sehe Paul Gerhard, der lebte während des 30-jährigen Krieges. So viele Menschen um ihn herum sind gestorben, an der Pest und durch den Krieg.

4  seiner 5 Kinder hat er begraben und seine Frau. Und er schrieb dabei Lieder um sich und andere zu trösten. Befiehl du deine Wege... Warum sollt ich mich denn grämen. Ist Gott für mich so trete alles hinter mich.

Kümmerte sich als Pfarrer gut und treu um seine Gemeinde. Als er suspendiert wurde in Berlin, haben sich viele für ihn eingesetzt.

Ein Knecht Gottes, der auf Gott vertraut hat. Mitten in Krieg und Tod hat er Frieden gelebt und den Traum des Jesaja verwirklicht. Es ist möglich.

 

 

Ich sehe auf Lemgo im 30-jährigen Krieg. Neutral, aber abwechselnd besetzt von katholischen kaiserlichen Truppen und von evangelischen schwedischen.

Lemgo hat gelitten unter den hohen Abgaben, die die Heere verlangten.

Plünderungen gab es und Vergewaltigungen.  

Am 12. September 1636, um 2 Uhr in der Nacht fielen die Schweden in die Stadt ein. Schlugen und erschlugen Menschen, raubten und brannten.  

Herman Voß ein Holzschnitzer aus der Helle sollte Wache halten in dieser Nacht mit andren. Aber sie hatten alle geschlafen. Bei Alarm hätten sich die Lemgoer verstecket oder verbarrikadiert, bis der Tumult vorbei war.

Hermann Voss war schuld, weil er geschlafen hat, sind Menschen umgekommen. Er floh nach Hameln. Kein Gottesknecht - ein Sünder!

 

5 Jahre später durfte er zurückkehren. Als Wiedergutmachung überschrieb er sein Haus an die Stadt und lebte fortan im Armenhaus. Und er schnitzte den Altar von St. Nicolai und die Kanzel von St. Marien.

Bald 400 Jahres helfen seine Werke nun schon in unseren Kirchen beim Beten und Hören auf Gottes Worte. Liebet eure Feinde. Selig sind die Friedenstifter.

Gott vergibt, er macht aus Sündern Gottesknechte.

 

Ich sehe die ehemaligen Konfirmanden und Konfirmandinnen, die jetzt Soldaten sind. Mit ihrem Eid geloben sie, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes zu verteidigen.

Das Recht, das Grundgesetz, die Würde jedes einzelnen Meschen.

Darauf ist unsere Armee verpflichtet. Befehle, die gegen das Gesetz verstoßen, müssen nicht befolgt werden.

Und das höchste Ziel aller Rüstung ist es, die Waffen möglichst niemals einzusetzen. Solche Armeen hat es nicht oft gegeben in den Jahrhunderten.

Soldaten, die ungehorsam sind, wenn Unrecht befohlen wird, die sind mutig, und sie werden leiden. Sie sind Gottesknechte.

 

Ich schaue auf unsere Zeit, in unsere Stadt, in unsere Gemeinden. Und ich sehe: Gottesknechte. Unscheinbar, unerkannt oft und leise. Keine großen Lichter, eher glimmende Dochte. Geknickte Rohre, müde oft, enttäuscht vom Leben und der Weltgeschichte, geknickt, verletzt, aufgerieben in Lebenskampf und Kleinkrieg.

Aber sie träumen weiter den Traum vom Frieden. Hören unbeirrt auf Gottes Wort und glauben daran: Selig sind die Sanftmütigen. Liebet eure Feinde. Geh Zachäus besuchen. Menschen, die auf Gott vertrauen, die glauben, hoffen und lieben. Und beten. Durch sie besteht die Welt weiter in allen Wirren und Gewalt.

 

Unser Gott ist treu. Durch die Jahrhunderte sendet er Gottesknechte.

Er sendet auch dich. Er gibt dir Glauben und eine Vision. Ausdauer. Rückgrat.

Und ein Lied:

 

I lay down my sword and shield, down by the riverside, down by the riverside.  

I ain´t gonna study war no more, ain´t gonna study war no more,

ain´t gonna study war no more.

 

Amen.

 

 

 

 

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