08/03/2026 0 Kommentare
Wir müssen endlich evangelisch werden! Die Zeit ist reif.
Wir müssen endlich evangelisch werden! Die Zeit ist reif.
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Wir müssen endlich evangelisch werden! Die Zeit ist reif.
Nanu, ist die Lippische Landeskirche das nicht längst? Ja und nein. Die Nachbarkirchen von Westfalen und Rheinland sind "evangelische" Landeskirchen, unter deren Dach es sowohl "evangelische" als auch "ev.-lutherische" und "ev-reformierte" Kirchengemeinden gibt. Sie werden zusammen in "Kirchenkreisen" unter Leitung eines Superintendenten verwaltet. In Lippe dagegen sind die lutherische und reformierte Gemeinden getrennt in "Klassen" zusammengefasst. Diese Struktur entwickelt sich heute mehr und mehr zum Problem. Mitgliederzahlen, Finanzen und Personal haben bereits erheblich abgenommen. Benachbarte Gemeinden müssen in naher Zukunft ihre Arbeit gemeinsam organisieren oder fusionieren. Dafür braucht es gemeinsame Strukturen. Konfessionelle getrennte Klassen behindern die notwendige Kooperation und sind nicht zukunftsfähig.
Die Lippische Kirche ist schlicht zu klein, um sich das Nebeneinander zu leisten.
Wer Mitglied in mehreren Dachverbänden ist, muss diese durch hohe Umlagen mitfinanzieren. Wenige Führungspersonen vertreten Lippe in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien, während vor Ort Ressourcen und Personal weiter abnehmen. Das Verhältnis stimmt nicht mehr.
Die Behauptung, die evangelischen Christen und Gemeinden in Lippe seien konfessionell stark profiliert, geht an der Realität vorbei. Beispiel St. Marien Lemgo: Die Gemeinde ist dem Namen und der Tradition nach evangelisch-lutherisch. Ihre Mitglieder sind es aber nur zu 68 %. 10 % sind evangelisch-reformiert und 22 % sind evangelisch (das heißt außerhalb von Lippe in einer "evangelischen" Gemeinde, die sich nicht lutherisch oder reformiert nennt.)
Viele waren durch ihre Eltern, durch Umzug oder eigene Entscheidung schon in Gemeinden verschiedener Tradition zu Hause. Noch weit mehr kennen die feinen Unterschiede gar nicht und wünschen sich vor allem eine gute Begleitung bei Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung, einfühlsame Seelsorge und einen guten Kindergarten.
Die lippischen Pastoren haben an der Universität bei lutherischen, reformierten und evangelischen Professoren studiert, auch bei katholischen. In ihrer "Stillen Zeit" dürften die meisten über der Bibel meditieren und beten - selten über den jeweiligen Bekenntnisschriften des 16. Jahrhunderts. Theologinnen, Kirchenmusiker und Prädikantinnen nehmen selbstverständlich Inspiration von jenseits des konfessionellen Tellerrandes auf. Und das ist gut so: Lieder aus Taizé, Gebete aus Iona, das orthodoxe Herzensgebet und die katholische Osternacht. Viele begeistert der Mut der Washingtoner Bischöfin Mariann Budde. Sie gehört zur (anglikanischen) Episkopal-Kirche und orientiert sich am Baptisten Martin Luther King.
Auch das Gesangbuch trennt nicht nach "Lutherisch" und "Reformiert". Die in Lippe gültige Reformierte Liturgie erlaubt es, eine lupenreine lutherische Messe zu feiern mit Kyrie, Sanctus, Agnus dei. Das Evangelische Gottesdienstbuch der lippischen Lutheraner sieht als Variante auch einen schlichten Gottesdienst reformierter Art vor. Im Übrigen ist es auch die gültige Agende der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Behauptung, die evangelischen Christen und Gemeinden in Lippe seien konfessionell stark profiliert, geht an der Realität vorbei. Konfessionelle Prägungen und Traditionen taugen als Leuchttürme und Orientierungsmarken. Sie sollten aber nicht länger Verwaltungsstrukturen und Leitungsämter definieren und die nötige Kooperation vor Ort ausbremsen. Die Lippische Landeskirche muss endlich evangelisch werden.
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