Zukunft statt Eistee! - Predigt vom 2. August

Zukunft statt Eistee! - Predigt vom 2. August

Zukunft statt Eistee! - Predigt vom 2. August

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Zukunft statt Eistee! - Predigt vom 2. August

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?

Liebe Gemeinde,

kennen sie den River-Eistee mit Zitrone oder Pfirsich-Geschmack? Ein Klassiker von ALDI, vor 17 Jahren im Programm. Im Sommer war er in vielen Strandtaschen mit am See und auf den Gartentischen beim Grillen gut vertreten. Neulich hat der ALDI eine Woche lang wieder River-Eistee verkauft, in der Original-Packung der 90er Jahre. Die Leute haben sich darauf gestürzt, obwohl es nun wirklich genug andere Sorten Eistee gibt.

Schallplattenläden waren völlig verschwunden, als die CDs aufkamen, sind Schallplatten ausgestorben. Inzwischen sind auch die CDs auf dem Rückzug, weil Musik meist gestreamt wird. direkt aus dem Internet auf die Ohren gespielt.

Aber: Es gibt wieder einen Schallplattenladen in Lemgo. Hier um die Ecke in der Breiten Straße. Junge Leute kaufen dort, sie lieben die knisternden Platten, die ihre große Zeit hatten, als die Hörer  von heute noch gar nicht auf der Welt waren. Und die älteren kaufen die Dinge ihrer Jugend wieder.

Nostalgie. Sehnsucht nach einer Zeit, als alles einfacher war. Es gab noch keine Handy-Hektik, keine digitale Welt, die pausenlos piept und anklopft. Knöpfe zum Drücken statt Glasscheiben zum Wischen. Kriege waren weit weg und hatten keine Folgen für uns. Der Liter Benzin kostete 80 Pfennig und die Kugel Eis 30 Pfennige.

 

Deutschland war Autoland, Exportweltmeister für immer und ewig und kam mindestens ins Halbfinale. Das ist vorbei. Im Rückblick war alles besser und einfacher. Aber das stimmt nicht. Es gab auch Sorgen. Kennen Sie noch AIDS? Die unbekannte Seuche machte Angst. Das Waldsterben, Arbeitslosigkeit, ein drohender Atomkrieg. Und den Bundeskanzler mochte auch damals nicht jeder.

Schallplatten und River-Eistee - das ist Sehnsucht nach einer Zeit die es nie gab. Wann wird es endlich wieder so, wie es niemals war?

  

II Träume von der alten Herrlichkeit

So eine Nostalgie herrschte auch zu Jeremias Zeit in Israel. Die guten Zeiten waren lange vorbei, aber man träumte noch davon. Unter den legendären Königen David und Salomo herrschte Wohlstand und Frieden, stabile Verhältnisse. Das Land war reich, die Wirtschaft brummte und Israel war die Großmacht der Region. Alle umliegenden Staaten waren von ihm abhängig und zahlten Abgaben. Gott war mit den Königen und hatte ihnen versprochen: Wenn ihr mir treu seid, wird es immer so sein.

 Aber der Niedergang ist schon weit fortgeschritten. Das Reich ist zerstritten und geteilt in Nord- und Südreich. Nach Salomo haben die Könige schnell gewechselt, teils haben sie den Thron mit Gewalt an sich gerissen und ihren Vorgänger ermordet. Andere Großmächte sind aufgestiegen und Israel ist nur noch eine kleine Nummer. Das Nordreich ist schon zerstört, die führenden Schichten verschleppt. Das Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem gibt es noch zur Zeit des Jeremia. Aber Juda ist von Babylon abhängig und muss hohe Abgaben zahlen.

Der König und seine Berater, die Priester und Propheten  träumen von der alten Herrlichkeit. Und das ganze Land träumt mit. Juda soll wieder groß werden. Make Juda great again, heißt ihr Programm.

Der König will sich verbünden mit den Nachbarstaaten und die Zahlungen einstellen.  Den Aufstand wagen und die Herrschaft der Babylonier abschütteln, frei und stark werden. Yes, we can. Und die Hofpropheten bestärken den König. Gott versspricht uns eine große Zukunft. Schließlich sind wir sein auserwähltes Volk, und leben im gelobten Land. Gods chosen country. Und der König ist sein Gesalbter, der Messias.

 

III Jeremia - mutiger Miesmacher und wackerer Wehrkraft-Zersetzer

Einer zweifelt daran. Er meint, Gottes Stimme sagt ihm etwas anderes: Träumt nicht von der alten Herrlichkeit. Sie ist eine gefährliche Illusion.

Es wird nicht wieder, wie es nie war. Der Aufstand führt in den Untergang. Dem Nordreich ist es schon so gegangen. Stattdessen sagt ihm Gottes Stimme:  Nehmt euer Schicksal an. Schickt euch in die Zeit, auch wenn sie nicht glorreich ist. Dann werde ich bei euch sein.

Predigttext aus der Bibel heute ist der Anfang des Jeremia-Buches, 1. Kapitel.

Die Berufung des Propheten. Der Moment, wo Gott ihm klar macht:

Das ist mein Auftrag für dich. Diese Botschaft sollst du sagen. Klar und deutlich vor dem König und  dem ganzen Land. Auch wenn keiner es hören will.

Jeremia sagt: Ich kann das nicht. Ich bin zu jung. Ich bin nur ein kleiner Priester vom Land. Meine Familie ist nicht reich und nicht prominent. Wer bin ich denn? Und wer wird mich schützen?

Jeremia fürchtet sich zu Recht. Niemand will seine Botschaft hören, alle wollen weiter träumen.  Man wird ihn anfeinden, anzeigen, ins Gefängnis stecken.

Miesmacher, Verräter lauten die Vorwürfe. Vaterlandverräter, Wehrkraft-Zersetzer. Zusammenarbeit mit dem Feind. Als Jerusalem schließlich belagert wird und untergeht, soll er allein schuld sein.

Er erleidet den Untergang mit, vor dem er gewarnt hat. Seine Spur verliert sich auf der Fluchtroute nach Ägypten.

Aber hier am Anfang sagt Gott ihm dies: Du bist nicht zu jung. Du bist sehr geeignet.  Genau für diese Aufgabe habe ich dich ausgewählt schon im Mutterleib. Sei mutig, und ich werde bei dir sein.

 

 

IV Mutig vor der Macht

Donald Trump will die USA zu alter Größe zurückführen. Zum Beispiel indem er Eingewanderte jagen und einsperren lässt. Kinder von Eltern trennt. Auf alle schimpft und benachteiligt, die anders denken, leben, lieben als er.

Zu seiner 2. Amtseinführung als Präsident gab es einen Gottesdienst. Die Predigt der Bischöfin Mariann Budde im Angesicht von Präsident Trump und seiner Minister wurde weltberühmt. Sie hat ihm ins Gewissen geredet. Ein Land macht man groß, in dem man alle Menschen darin mit Respekt behandelt und zusammenführt, nicht so wie sie es vorhaben.

Die Bischöfin war mutig. Sie ist nicht reich und kommt aus keiner prominenten Familie. Trump schrieb sofort, sie sei eine sehr schlechte Bischöfin. Und der Verteidigungsminister forderte ihren Rücktritt.

Mariann Budde hat ein Buch geschrieben über das Mutig sein.

Darin sagt sie: Mut ist nicht etwas für einzelne Helden und Heldinnen. Mutig sein kann jeder und muss jeder. Das Leben verlangt es uns ab. Gott verlangt es von uns. Man kann es üben.

  

V Verschiedene Arten von Mut

Es gibt den Mut aufzubrechen. Von zu Hause ausziehen, eine Stelle kündigen, einen Partner verlassen, weil man nicht mehr zueinander findet. Eine Freundschaft aufkündigen, die nicht mehr vertretbar ist.

 Es gibt den Mut zu bleiben. Einem Menschen, einer Aufgabe, einem Ort treu bleiben. Auch wenn es schwer fällt. Weil das meine Pflicht, mein Platz, mein Auftrag ist. Aushalten, weil ich gebraucht werde, auch wenn ich mich dabei aufzehre.

 Es gibt den Mut, in den Ring zu steigen. Heraustreten aus der Menge der Gleichgültigen, der Zujubler, der Ja-Sager und Mitläufer und widersprechen. Weil du fühlst, das ist jetzt von dir gefordert. Dazu darf ich nicht schwiegen.

Sonst kann ich mir selbst nicht mehr in die Augen schauen und Gott nicht unter die Augen treten. Auch wenn es schwer wird. Hinaustreten aus der Deckung in den Sturm, ohne zu wissen, ob du ihm standhältst.

 Mut ist etwas für einzelne entscheidende Momente, wenn man eine Entscheidung trifft. Sich erklärt. Outet. Aus der Deckung tritt. Alle schauen hin, horchenauf.

Mut ist aber vor allem leise und unscheinbar. Und langfristig. Zu einer Entscheidung stehen, Tag für Tag, treu und hartnäckig, bei allen Rückschlägen und Gegenwind.

 Sei mutig und stark. Sage nicht: Ich bin zu jung.

Sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen alles, was ich dir gebiete, spricht Gott der Herr. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich erretten.

 Es gibt den auch den Mut anzunehmen, was du dir nicht ausgesucht hast und was du nicht ändern kannst. Die Zeit und die Familie, in die du geboren bist, das Trauma, das dir zugefügt wurde.

Die Krankheit die dir auferlegt ist, die Menschen, die dir an die Seite gestellt sind. Auch das was du verbockt hast und nicht mehr ändern kannst.

Mut ist dann: Nicht träumen vom Ideal, nicht dem verlorenen hinterher trauern. Sondern das heutige annehmen. Mit Gottes Hilfe etwas daraus machen.

VI Weniger Eistee, mehr Jeremia

Nun gut, es ist Sommer, es sind Ferien. Trink einen Eistee. Lausche dem Knistern einer Schallplatte. Aber träum nicht davon, dass es wieder so wird wie es nie war. Träum nicht vom starken Mann und der Partei, die Deutschland wieder groß macht. Vertrau den neuen Wegen, auf die der Herr uns führt.

Schimpf nicht auf die Regierung, Tu was du selber kannst.  Trau dich, in Gottes Namen. Weniger Eistee, mehr Jeremia!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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